Kleiner Grenzverkehr

An die eigenen  Grenzen stoßen ist kein Versagen!

Wer von uns kennt sie nicht? Die eigenen Grenzen. Zu manchen Zeiten sind sie überdeutlich spürbar. Alles kommt zusammen und es scheint, als habe sich die ganze Welt auf einmal gegen Dich verschworen. Familie, Beruf, Haushalt, Garten, Nachbarn, Freunde, Wetter, Gesundheit… alle und alles wollen etwas von Dir und Du wirst zum Brennpunkt des Geschehens. Der Stress kommt und geht nicht mehr. Sicher, Du willst alles schaffen, allen gerecht werden, alles perfekt meistern und nirgendwo im Universum Deines Seins leuchtet ein „Nein, danke, das genügt“ auf. Etwas geht ja noch immer, oder? So schlimm ist es doch noch nicht. Na, das schaffe ich doch auch noch. Ist ja nur eine Kleinigkeit. Klar, selbstverständlich! Bin sofort da!

Besonders, wenn man nach solch intensiven Zeiten in Urlaub fährt, kommt es häufig vor, dass man als erstes mal so richtig schön krank wird. Der Körper fordert sein Recht. Er schaltet auf Autopilot und sackt einfach in den Ruhemodus. Die Stresshormone verlassen eins nach dem anderen den Kriegsschauplatz und machen Platz für alles Unterdrückte, was sich jetzt zeigen darf. Der schnelle Wechsel vom Maratonläufer zum Liegestuhlanbeter ist manchmal zu abrupt. Endlich darf sich der Kopf mal auf Höhe des Herzens ausruhen und Körper, Geist und Seele vereinen sich wieder in der waagerechten Ruheposition.

Eigentlich merken wir ganz genau, wann wir an unsere Grenzen gestoßen sind. Spätestens, wenn wir versuchen mehrere Sachen gleichzeitig zu machen und nichts davon wirklich schneller funktionieren will, man wegen jedem und nichts ausrastet und angespannt ist wie eine Geigensaite, dann hat man mit sehr großer Sicherheit die eigenen Grenzen erreicht, wenn nicht schon längst überschritten.

Sicher gibt es besondere Lebensumstände, in denen man kaum Möglichkeiten für ein persönliches Stressmanagement hat. Das sind Extremsituationen, die einfach viel von einem fordern. Doch diese sind meistens eher kurz und heftig. Doch das permanente Überschreiten ist auf Dauer nicht besonders gesund, denn zuviel Stress schadet uns einfach auf allen Ebenen. Und die zwischenmenschliche Seite unseres Lebens leidet auch darunter. Stress macht unfrei, Druck und schlechte Laune, weil wir keine Zeit mehr für uns selbst haben. Wir verlieren unsere Mitte und werden unzufrieden und unglücklich.

Das Leben verläuft in Wellen. Mal ist alles easy und leicht, dann wieder anspruchsvoller. Ab und zu können wir nicht vermeiden, unsere eigenen Grenzen wahrzunehmen. Sie zu berühren, zu bemerken, dass an dieser Stelle das persönliche Limit erreicht ist, ist eigentlich gar nicht so schlimm. Wenn ich merke, das kann ich nicht, das übersteigt meine Kompetenz, hier weiß ich nicht mehr weiter, dort sollte ich aufhören etc., dann ist das ein guter Hinweis unseres Bewusstseins zum Selbstschutz. Diesen Tipp kann ich allerdings nur wahrnehmen, wenn ich mit mir in gutem inneren Dialog stehe. Wenn ich gelernt habe, auf meine innere Stimme zu hören und ihr zu vertrauen. Sie ist mein allerbester Ratgeber und will immer nur, dass es mir dauerhaft gut geht.

Grenzen zu spüren ist ganz normal. Niemand kann und weiß alles  und deshalb gibt es auch für fast jedes Problem Experten, die nichts anderes tun, als sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, an dem ich gerade festsitze. Warum also nicht dieses perfekte Wissen ausnutzen anstatt mich selbst zu quälen? Das spart eine Menge Energie und Zeit, die ich anders verwenden kann. Zum Beispiel für einen schönen Spaziergang und etwas, das mir gut tut.

Außerdem gehört zum Grenzen wahren auch das schöne Wörtchen ‚NEIN‘. Dabei kannst Du Dein entwaffnendstes Lächeln aufsetzen und Deinem Gegenüber freundlich in die Augen sehen. Das Wort ‚Nein‘ ist kurz und bündig. Es besteht aus nur vier Buchstaben und ist mit oder Ausrufungszeichen anwendbar. Es ist eindeutig und verständlich. Und Du darfst es jedem gegenüber anwenden. Das steht so in der Gebrauchsanweisung dieses Wortes drin. Nein beinhaltet nicht Inkompetenz, Faulheit, Egoismus, keine Hilfsbereitschaft oder was auch immer da innerlich in Dir vorgehen mag. Nein ist der Ausdruck meiner eigenen Wertschätzung, der Liebe zu mir selbst, der Verantwortung für die Gesundheit meines Körpers, Geistes und meiner Seele. Wenn viel mehr Menschen den Mut hätten, öfter ’nein‘ zu sagen, gäbe es auch weniger ausgebrannte und depressive Berufstätige. Und vielleicht würden die Arbeitgeber auch eher verstehen, wo denn die wahren Grenzen der Beanspruchung ihrer Mitarbeiter liegen.

Wenn ich allerdings akzeptiere, dass meine Grenzen permanent überschritten werden, durch meine eigenen Ansprüche an mich selbst und die Forderungen meiner Mitmenschen, dann sage ich indirekt das Wort ‚Ja‘. Ein Ja zur Überforderung und allen negativen Auswirkungen auf mein Leben.

Auch wenn ich als Kind nicht wirklich gelernt habe nein zu sagen, so darf ich mich heute entschließen, meine Grenzen liebevoll wahrzunehmen und auszutesten. Ich kann gerne sehen, ob nicht doch noch etwas mehr geht, und wenn nicht, darf ich einen kleinen, aber wichtigen Schritt wieder rückwärts machen. Ein kleiner Grenzverkehr ist ratsam, denn manchmal denken wir nur, das ist unsere Grenze, aber vielleicht haben wir in der Zwischenzeit, seit dem letzten Testen , etwas mehr dazu gelernt und können mehr als wir uns zutrauen. Wenn sich das jedoch als Selbstüberschätzung herausstellt, dann dürfen wir uns das liebevoll eingestehen und auf unsere alte Position zurückkehren. Und das hat nichts mit Versagen zu tun, sondern ist ein Akt der vollen Selbstverantwortung, in der Liebe zu mir.

Wenn Du wieder Deine Stresshormone anmarschieren spürst, dann halte kurz inne und frage Dich, ob Du an dieser Stelle nicht eine andere Entscheidung treffen könntest. Eine Entscheidung zum Wohle für Dich selbst. Bewache mutig Deine Grenzen. Dein Leben dankt es Dir!

 

 

 

 

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