Traue Dich!

Wir sind bewusst oder unbewusst dauernd damit beschäftig zu be- und verurteilen. Das ist zunächst einmal etwas ganz Normales und stammt von unserem Reptiliengehirn, in dem wir gespeichert haben, alles und jedes einzuschätzen in: Gefahr oder nicht Gefahr. Wenn Gefahr ist, dann heißt es: tot stellen, flüchten oder kämpfen.

Soweit, so gut. Jetzt haben wir uns aber im Laufe der Evolution weiter entwickelt und sind in unserem Alltag, im einigermaßen zivilisierten Europa, nicht permanent irgendwelchen lebensbedrohlichen Gefahren ausgeliefert. Und trotzdem geht das alte Muster in unserem Gehirn weiter: beurteilen, verwerfen, verurteilen, entscheiden. Und zwar in allen Lebenslagen.

Beurteilen ist einerseits gut, um Gefahren einzuschätzen und Situationen zu bewerten, ob sie gut oder schlecht für uns sind. Verurteilen ist eher schon etwas madiger, denn hier ist ein richterlicher Spruch impliziert: Schuldig! Der geht fremd. Schuldig! Die Merkel macht Mist. Schuldig! Die Nachbarn sind zu laut. Schuldig! Das macht man nicht. Schuldig! Wir sind Scharfrichter par exellence. Immer feste drauf, denn wir wissen ja, wie es richtig ist. Wir haben das Allwissen für uns gepachtet. Wir haben den Durchblick, so wie Millionen von Bundestrainern bei der EM. Hier weiß Jeder, wie es besser laufen könnte für „Die Deutschen“.

Sorry, wirklich? Na ja, so gefragt kommen auch mal Zweifel auf. ‚ Aber‘, so sagt die andere Stimme in uns, ‚wenn ich es mir so recht überlege, stimmt es doch, was ich sage. Ist doch so!‘

Oberflächlich gesehen mag das auch so scheinen. Jedem steht auch seine eigene Meinung zu. Keine Frage. Aber, wenn man mal tiefer schaut, dann tun sich doch auch traurige Abgründe auf. Denn erstens tut uns, rein körperlich gesehen, das Be- und Verurteilen gar nicht gut. Schlechte Gedanken, sei es über mich oder andere, nimmt mein Körper nicht gerade als Balsam für die Seele auf und reagiert messbar ungünstig darauf. Bis hin zum klaren „Sauersein“, sprich, Übersäuerung des Systems.

Auf der anderen Seite stellen wir uns selbst in den Weg. Unser Gegenüber ist immer Spiegelbild unserer selbst. Was wir wahrnehmen hat auch immer etwas mit uns zu tun. So heißt es bei Robert Betz: „Was mich trifft, betrifft mich.“ Was auch immer mich in irgendeiner Weise antriggert, spiegelt mir etwas. Und was sich mir spiegelt, ist eindeutig mein Ding, denn sonst würde ich darauf nicht so reagieren.

Das meiste davon liegt tief in unserer Kindheit begraben, sprich, in unserem Unbewussten. Denn der größte Teil unserer frühen Kindheit ist in unserem Unbewussten gespeichert. Wahrscheinlich erinnern wir uns, auch wenn wir uns noch so anstrengen, nicht daran. Damals, als Kind, haben wir viel verdrängt, aus Überlebensprinzip. Was wir in dieser Zeit in unser Langzeitgedächtnis aufgenommen haben, wirkt bis heute. Das Langzeitgedächtnis hat seinen Platz im Unterbewusstsein, welches von Natur aus faul und träge ist. Gedankenmuster, die dort einmal eingelagert wurden, beherrschen noch heute unser Be- und Verurteilungsvermögen. Das, was wir als Kind dachten zu erkennen und zu verstehen, Emotionen, die wir damals mit Ereignissen verknüpft haben, sind heute noch unser Urteilsraster, mit dem wir als Erwachsene durch die Welt spazieren.

„Wer die Welt in Ordnung bringen will, gehe erstmal durchs eigene Haus“, so lautet ein chinesisches Sprichwort. Das heißt, alle Veränderung beginnt  zunächst bei mir selbst. Ich kann am wirkungsvollsten immer erst einmal bei mir selbst anfangen. So sagt Gandhi: „Sei Du die Veränderung, die Du von der Welt willst.“ Es nützt nichts, das, was uns nicht gefällt, auf andere zu projezieren. Wir dürfen als Erstes bei uns selbst nachschauen, was das Ereignis mit uns macht. Wie fühle ich mich, wenn dieses oder jenes geschieht? Was löst das bei mir aus? All diese Gefühle gehen in 90 % der Fälle zurück in die Kindheit, wo wir, in anderer Form, das Gleiche schon einmal erlebt haben. So sind wir fast immer die Kleinen aus dem Sandkasten, denen Förmchen oder Eimerchen weggenommen wurden und denen böse mitgespielt wurde. Wir sind die kleinen Mädchen oder Jungen, die sich nicht genug wehren konnten, die nicht von Mutter oder Vater beschützt wurden und die sich nicht durchsetzen konnten. Oder die, die sich stark machen mussten für Mutter oder Vater, damit es diesen besser ging. Die mitgetragen haben für die Eltern, damit es zu Hause erträglich wurde. Kinder haben ein immens großes Bedürfnis nach Balance, Liebe und Gerechtigkeit. Ihr Aufopferungswille ist unendlich und sie übernehmen gerne viel zu große Lasten für den schwächeren Elternteil, damit es zu Hause läuft.

Wenn Ihr Euer Bewusstsein auf Euer Be- und Verurteilen am Tag lenkt, dann schaut mal, was das mit Euch macht. Seid wachsam auf die Reaktionen in Eurem Körper. Fühlt Eure Gefühle, die das Ereignis auslösen. Und sagt Euch im Inneren: „Was mich trifft, betrifft mich“, denn wenn ich auf jemanden mit dem Zeigefinger zeige, dann weisen drei eingekrümmte Finger immer auf mich selbst. Ergo, fragt Euch, was das alles mit Euch zu tun hat. Denn auf jeden Fall dort findet Ihr die Lösung.

So ist jeder, der unsere Fäden zieht und uns triggert, unser Spiegel und will uns nur helfen, etwas in uns zu heilen, was schon ganz lange dort ist und auf Heilung und Anschauen wartet. Wenn ich diesen Anteil in mir geheilt habe, d.h. in Liebe angenommen habe, dann triggert mich das nicht mehr. Ich kann neutral und gelassen diesen Situationen gegenüber treten. Das heißt, souverän damit umgehen, ohne einen Emotionsausbruch innerlich oder äußerlich zu haben.

Die Hawaiianer haben das wundervolle Ho’oponopono Ritual, welches stattfindet, wenn sich zwei Parteien streiten. Es wird am Abend nicht eher geruht, bis die beiden Kontrahenten sich versöhnt haben. Nicht einfach so, sondern auf tiefer Herzensebene. Es beinhaltet das Anerkennen desjenigen, der den Trigger ausgelöst hat. Das Danken an ihn, dass er sich dafür zur Verfügung gestellt hat, damit ich verstehe, was in mir noch nicht geheilt war. Das Verstehen, dass wir alle, die ganze Menschheit und alles was ist, miteinander untrennbar verbunden ist und am Ende das Bekenntnis, ich liebe Dich. Forgive me, I am sorry, thank you, I love you.

In den meisten Fällen können wir sehr viel Vergebungsarbeit leisten, indem wir uns zunächst selbst lernen zu vergeben. Das ist eigentlich die Meisterarbeit, denn es fällt uns schwer, uns selbst zu verzeihen. Achte darauf, was Du über Dich denkst und sagst und korrigiere Dich, wenn es nicht in der Liebe ist. Das kannst Du üben, indem Du Dir ein Geschenk machst: Den liebevollen Blick, mit dem Be- und Verurteilen aufgehoben wird. Schaue mit den Augen der Liebe einen anderen Menschen oder Dich selbst an  (im Spiegel). Setze morgens ganz bewusst den liebevollen Blick auf und falls Du in eine be- oder verurteilende Haltung fällst, frage Dich: „Was würde die Liebe dazu sagen?“ Damit söhnen wir uns mit uns selbst aus. Setze den liebevollen Blick morgens, mittags, abends, beim Händewaschen oder beim Kartoffelschälen auf. Begleite Dich und dem, was Dir geschieht, mit einem Lächeln. Es ist wie der Duft der Rose, der Schmelz der Eiscreme, der Zucker im Kaffee. Je mehr wir uns und unser Leben mit einem liebevollen Lächeln begleiten, desto mehr werden wir zu dem, was wir in uns sehen: Ein liebevoller Mensch mit einem unendlichen Potential.

Bleib bei Dir! Liebe Dich von ganzem Herzen! Verzeihe Dir und anderen!

Alles ist möglich.

 

 

 

 

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Was hat sie, was ich nicht habe?

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ (Sören Kirkegaard)

Das kennen wir Frauen sehr gut. Die ist dünner, hübscher, jünger, eleganter, faltenfreier, stylischer, sexyer, eine bessere Frau, Mutter, Kollegin, Chefin, Freundin, Ehepartnerin etc.

Wir vergleichen uns innerlich andauernd mit unseren Artgenossinnen und wer zieht bei diesen Vergleichen immer den Kürzeren? Natürlich wir selbst! Die anderen sind immer im Vorteil.

Ist das gelebte Selbstliebe, Akzeptanz, Wertschätzung, Dankbarkeit? Nicht wirklich, oder? Wir halten uns innnerlich permanent klein, machen uns durch dieses ewige Vergleichen unglücklich. Hole Dein Messer heraus und steche immer wieder in Dich rein! Genauso wirken die kritischen Gedanken über Dich auf feinstofflicher Ebene. Jeder kleinmachende Gedanke über Dich ist wie ein Stich ins eigene Fleisch. Na super! Wenn das so deutlich fühlbar wäre, würden wir das sehr schnell sein lassen.

Wenn alle so wären wie die anderen, wer wäre dann so wie Du selbst? Du bist nicht besser oder schlechter als Deine Nachbarin. Diese schaut vielleicht ohnehin neidisch und vergleichend auf Dich, denn scheinbar messen wir uns alle nur an unserem Gegenüber. Zugegeben, manchmal fällt das eigene Urteil im Vergleich zu anderen auch gnädiger aus und man denkt: Gottseidank bin ich nicht so  wie…… Das kann ganz gut tun, aber auch das ist eigentlich überflüssig. Denn jeder Mensch, so wie er nun mal gerade ist, ist ein einmaliges, einzigartiges Wesen auf diesem herrlichen blauen Planeten. Jeder von uns hat seine eigene Biographie mit Herkunftsfamilie und Erziehung, mit Weiterentwicklung und Fortkommen, mit persönlichen Erfahrungen und Glaubenssätzen. Dies alles ist so einzigartig in seiner Kombination wie Du selbst es bist. Unter fast 8 Millarden Menschen auf der Welt gibt es DICH nur ein einziges, wundervolles Mal. Du bist so wertvoll und einzigartig wie eine blauer Diamant. Es wird Dich auch vor und in millionen Jahren nur ein einziges Mal so geben, wie Du jetzt gerade bist. Das wirst Du nicht ändern können.

Warum also all die Anstrengung, so sein zu wollen wie andere? Warum nicht stolz und zufrieden sein mit dem, was Du heute bist? Der Witz ist: So, wie Du andere bewunderst, so wirst Du selbst auch bewundert. Fällt Dir das nicht manchmal auf? Es gibt unzählige Menschen, die sich wünschen, so zu sein wie Du, Deine Talente und Begabungen zu haben, Deine Figur, Dein Äußeres, Deinen Lebensstil, Deinen Charakter usw.

Wir leben eine endlose Kette der Selbstverleugnung, der Selbstunliebe und der Undankbarkeit. Anstatt aufzuzählen, was wir alles nicht haben, tut es unserm Körper und unserer Seele so gut, im Stillen einmal für all das zu danken, was wir haben. Es ist erstaunlich, was dabei herauskommt. Das ist eine ganze Menge! Schon alleine die unbewussten Funktionen unseres Körpers sind wahre Wunderwerke, denen wir unendlich dankbar sein können. Dankbarkeit ist Balsam für Körper, Geist und Seele.

Selbstakzeptanz kannst Du prima üben, wenn Du Dich (am besten nackt) vor einen großen Spiegel stellst und Dir und Deinem Körper anfängst zu danken. Am Anfang ist das eine große Herausforderung, denn uns fallen erstmal alle kleinen und großen äußeren Defekte an uns auf. Doch dann schaue mal in Deine Augen. Welchen Ausdruck haben sie gerade? Siehst Du glücklich oder eher traurig aus? Und jetzt beginne für alles zu danken, was Du an Dir schön findest. Finde mindestens 10 Sachen, die Dir an Dir selbst gefallen, auch wenn sie noch so klein sind. Und danke dafür. Danke für jeden einzelnen Punkt, den Du findest. Wenn es mehr sind, umso besser! Aber bleibe nicht unter 10. Und wenn es der kleine Zehenagel ist. Dann verbinde im zweiten Schritt jeden positiven Punkt mit einem bislang noch von Dir negativ beurteilten. Z.B. „Ich liebe meine schönen langen Haare und meine Beine liebe ich jeden Tag mehr und mehr„. Verbinde alle positiven Anteile mit einem negativen, also mindestens 10. Wenn Du an Dir schon mehr Schönes als weniger Schönes gefunden hast, prima! Dann bist Du ganz bald schon am Ziel. Und falls nicht, bist Du auf dem besten Wege zum  hundertprozentigen JA zu Dir! Mache diese Übung am Anfang  jeden Tag und schaue, was sich dabei an und in Dir verändert.

Bleibe ab jetzt auch im Alltag  ganz bei Dir! Lenke Dein Augenmerk auf Dich selbst. Spüre Dich, fühle Dich, wie Du sitzt, gehst, stehst, was Du gerade tust. Mache in Liebe, Annahme und Dankbarkeit Frieden mit der Frau, die Du jetzt gerade bist. Sage Dir: „Gerade jetzt, in diesem Augenblick, bin ich hundertprozentig und perfekt Ich und sonst niemand. Und dafür liebe ich mich!“

Wenn wir aufhören, uns mit anderen zu vergleichen und uns so lieben, wie wir sind, zünden wir unsere eigene Strahlkraft an und beginnen als diejenige zu leuchten, die wir in Wahrheit sind. Beobachte bewusst, wie oft Du in die Falle des Vergleichens am Tag tappst und gebe Dir selbst sofort ein „Stop!“. Gehe in das Gefühl der Dankbarkeit für das, was Du gerade hast und wie Du bist. Und dann nimm Dich selbst innerlich in den Arm und sage Dir: „Ich liebe mich so wie ich bin. Ich liebe das Leben und das Leben liebt mich.“ Und nicht vergessen: Daumen hoch für Dich selbst!